Versicherungslexikon

Grobe Fahrlässigkeit einfach erklärt

Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn jemand die erforderliche Sorgfalt in besonders starkem Maß verletzt. Im Versicherungsbereich ist der Begriff wichtig, weil er im Schadenfall Einfluss auf die Leistung haben kann.

Kurz zusammengefasst
Grobe Fahrlässigkeit ist mehr als ein normales Versehen. Sie kann im Schadenfall Auswirkungen auf die Leistung haben. Ob und wie sie versichert ist, hängt vom Vertrag ab.

Was grobe Fahrlässigkeit bedeutet

Von grober Fahrlässigkeit spricht man, wenn die erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maß außer Acht gelassen wird. Es geht also nicht um ein kleines Versehen, sondern um ein Verhalten, bei dem naheliegende Vorsicht außer Acht bleibt.

Im Versicherungsrecht ist dieser Unterschied wichtig, weil nicht jedes fahrlässige Verhalten gleich behandelt wird. Grobe Fahrlässigkeit kann je nach Vertrag und Schadenart zu Leistungskürzungen oder anderen Folgen führen.

Kurz gesagt: Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn jemand besonders sorglos handelt und dadurch einen Schaden mitverursacht.

Was grobe Fahrlässigkeit in der Praxis bedeutet

In der Praxis wird der Begriff oft dann wichtig, wenn ein Schaden zwar grundsätzlich versichert ist, aber die Frage im Raum steht, wie dieser entstanden ist. Dann wird geprüft, ob nur ein alltägliches Versehen vorliegt oder ob das Verhalten deutlich sorgfaltswidrig war.

Gerade in Sachversicherungen wie der Hausratversicherung spielt das eine Rolle. Viele moderne Tarife leisten zwar auch bei grober Fahrlässigkeit, aber nicht immer uneingeschränkt und nicht automatisch in jedem Fall.

Deshalb reicht es nicht, nur zu wissen, dass ein Schaden grundsätzlich versichert ist. Wichtig ist auch, wie der Vertrag mit grober Fahrlässigkeit umgeht.

Schadenursache wird mitgeprüft nicht jeder Tarif regelt es gleich besonders wichtig in Sachversicherungen

Typische Beispiele

  • eine Kerze unbeaufsichtigt brennen lassen
  • eine Wohnung längere Zeit offen oder ungesichert zurücklassen
  • offensichtliche Gefahren ignorieren, obwohl sie leicht erkennbar waren
  • elementare Vorsichtsmaßnahmen in einer klaren Risikosituation unterlassen

Ob ein Verhalten tatsächlich als grob fahrlässig eingestuft wird, hängt immer vom konkreten Einzelfall ab. Pauschale Aussagen sind deshalb oft zu einfach.

Typische Missverständnisse

Ein häufiger Denkfehler ist, dass grobe Fahrlässigkeit automatisch bedeutet, dass nie geleistet wird. Das ist so pauschal nicht richtig. Entscheidend ist immer, was im Vertrag geregelt ist und wie der Einzelfall bewertet wird.

Ebenso wird oft angenommen, dass jedes unachtsame Verhalten gleich grob fahrlässig ist. Tatsächlich gibt es einen Unterschied zwischen einfacher Fahrlässigkeit und besonders schwerer Sorgfaltspflichtverletzung.

Deshalb sollte der Begriff nicht vorschnell verwendet werden. Im Versicherungsalltag kommt es immer auf die konkrete Situation an.

Über den Autor

Marcel Turek ist Versicherungs- und Finanzanlagenfachmann mit über 25 Jahren Berufserfahrung. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit liegt in der privaten Krankenversicherung und der Beratung von Beamten.

Auf Versicherungsinsider erklärt er Zusammenhänge rund um Versicherungen verständlich und ordnet typische Denkfehler ein.